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Saitenhalter nach Maß anfertigen lassen: auf das Instrument abgestimmt
Klang&Setup

Saitenhalter nach Maß anfertigen lassen: auf das Instrument abgestimmt

05.10.2026 · Daniel Hiller – Master Violin Maker and Founder of Berdani

Ein Saitenhalter nach Maß wird auf die Abmessungen, die Ausstattung und die musikalischen Anforderungen eines bestimmten Instruments abgestimmt. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Saitenhalterlänge, Gewicht, Saitenführung und Aufhängung. Zwei Maße stehen dabei besonders im Mittelpunkt: der Abstand vom Steg zur Oberkante der Decke am unteren Korpusende und die frei schwingende Saitenlänge zwischen Steg und Reifchen.

Bei Violinen, Bratschen, Celli und historischen Instrumenten kann eine individuelle Anfertigung sinnvoll sein, wenn ein vorhandenes Modell diese Anforderungen nicht ausreichend erfüllt. Sie ermöglicht es, technische Funktion und gestalterische Proportionen gemeinsam zu entwickeln.

Wann ist ein Saitenhalter nach Maß sinnvoll?

Ein vorhandenes Saitenhaltermodell kann ausgezeichnet funktionieren, wenn seine Länge, Breite und Masse zum Instrument passen. Eine Maßanfertigung wird interessant, sobald sich die gewünschte Einstellung damit nicht sinnvoll erreichen lässt. Das betrifft beispielsweise Bratschen mit besonderen Korpusmaßen, Instrumente mit ungewöhnlichen Abständen zwischen Steg und unterer Deckenkante oder historische Ausstattungen.

Auch eine bestimmte Saitenführung, besondere Feinstimmer, ein gewünschtes Gewicht oder eine individuelle Gestaltung können für eine Anfertigung nach Maß sprechen. Dabei bleibt die Beurteilung des gesamten Setups wichtig: Verschlissene Saiten, ein unpassender Steg oder eine ungünstige Stimmstockeinstellung lassen sich durch einen neuen Saitenhalter allein nicht ausgleichen.

Die Grundlage: Abstand vom Steg zur Oberkante der Decke

Für die Bestimmung einer passenden Saitenhalterlänge ist der Abstand vom Steg zur Oberkante der Decke am unteren Korpusende wichtig. Gemeint ist die Deckenkante im Bereich der Saitenhalteraufhängung. Der Untersattel ist für dieses Maß nicht der Bezugspunkt.

Dieser Abstand beschreibt den verfügbaren Raum für die gewünschte Nachlänge und die anschließende Positionierung des Saitenhalters. Zusammen mit der Lage des Reifchens und der vorgesehenen Aufhängung ergibt sich daraus, welche Saitenhalterlänge zum Instrument passt.

Die Korpuslänge allein reicht für diese Beurteilung nicht aus. Zwei Instrumente mit ähnlichen Außenmaßen können unterschiedliche Stegpositionen und damit unterschiedliche Platzverhältnisse im Bereich des Saitenhalters haben. Gerade bei Bratschen lohnt sich deshalb die genaue Messung am einzelnen Instrument.

Die Nachlänge: schwingende Saitenlänge zwischen Reifchen und Steg

Die Nachlänge ist die frei schwingende Saitenlänge hinter dem Steg. Bei einer traditionellen Saitenführung erstreckt sie sich vom Auflagepunkt der Saite auf dem Steg bis zu ihrem Auflagepunkt auf dem Reifchen des Saitenhalters.

Das Reifchen ist die schmale Erhöhung im vorderen Bereich des Saitenhalters, über die die Saiten geführt werden. Gemessen wird entlang der Saite zwischen den beiden tatsächlichen Auflagepunkten. Die Vorderkante des Saitenhalters und die Saitenlöcher sind hierfür nicht maßgeblich.

Die Gesamtlänge eines Saitenhalters allein sagt deshalb noch nicht aus, ob ein Modell geeignet ist. Entscheidend ist auch, wo das Reifchen nach dem Einbau tatsächlich liegt.

Für die hier beschriebene individuelle Abstimmung orientieren wir uns an folgenden Ausgangswerten:

  • Violine in voller Größe: 54 mm schwingende Saitenlänge zwischen Steg und Reifchen.
  • Viola: 74 mm als angestrebter Ausgangswert, sofern Mensur und Bauform des Instruments dazu passen.
  • Cello in voller Größe: ca. 120 mm als Ausgangswert für die weitere Abstimmung.

Diese Werte sind keine unveränderlichen Vorgaben für jedes Instrument. Besonders bei der Viola unterscheiden sich Korpuslänge, Mensur und Stegposition erheblich. Kleinere Instrumente und historische Setups benötigen ebenfalls eine eigene Betrachtung. Die endgültige Einstellung wird deshalb am konkreten Instrument überprüft.

Die Saitenabschnitte zwischen Steg und Reifchen können mitschwingen und mit dem übrigen System in Wechselwirkung treten. Veränderungen ihrer Länge können Resonanzen und Spielgefühl beeinflussen. Eine längere oder kürzere Nachlänge führt jedoch nicht bei jedem Instrument zur gleichen klanglichen Veränderung.

Die Hängesaite richtig einstellen

Die Hängesaite verbindet den Saitenhalter mit der unteren Verankerung am Instrument und wird über den Untersattel geführt. Ihre Länge bestimmt wesentlich mit, wo der Saitenhalter unter Saitenzug steht.

Das untere Ende des Saitenhalters sollte mit kurzem Abstand zum Untersattel positioniert sein. Vom unteren Korpusrand in Richtung Steg betrachtet liegt es damit kurz hinter dem Untersattel. Der Saitenhalter muss frei hängen und ausreichend Abstand zur Decke sowie zu angrenzenden Bauteilen behalten. Er darf weder aufliegen noch scheuern.

Die Hängesaite sollte dafür weder unnötig lang noch zu kurz eingestellt werden. Wird sie bei unverändertem Saitenhalter verlängert, bewegt sich dieser in Richtung Steg und die Nachlänge wird kürzer. Wird sie verkürzt, wandert der Saitenhalter zum unteren Korpusende und die Nachlänge wird größer.

Eine passende Einstellung berücksichtigt deshalb gleichzeitig die gewünschte schwingende Saitenlänge zwischen Steg und Reifchen und die sinnvolle Position des unteren Saitenhalterendes. Lassen sich beide Bedingungen mit einem vorhandenen Modell nicht erreichen, kann eine andere Saitenhalterlänge oder eine Maßanfertigung die passende Lösung sein.

Der Untersattel ist somit für die Führung der Hängesaite und die Einbaulage wichtig. Das grundlegende Längenmaß für die Planung wird jedoch vom Steg zur Oberkante der Decke am unteren Korpusende genommen.

Welche Angaben werden für eine Maßanfertigung benötigt?

Am Anfang stehen die tatsächlichen Verhältnisse am Instrument. Neben der Instrumentengröße sind die korrekte Stegposition, der Abstand zur unteren Deckenkante und die gewünschte Nachlänge relevant. Hinzu kommen die vorgesehene Ausstattung und die klanglichen Wünsche.

Für eine Anfrage sind folgende Angaben hilfreich:

  • Instrumentenart, Größe und Korpuslänge.
  • Abstand vom Steg zur Oberkante der Decke am unteren Korpusende, mit eindeutig erkennbaren Messpunkten.
  • Aktuelle schwingende Saitenlänge zwischen Steg und Reifchen.
  • Spielmensur, also die schwingende Saitenlänge zwischen Obersattel und Steg.
  • Länge und Breite des vorhandenen Saitenhalters.
  • Saitenhersteller, Saitensatz und verwendete Feinstimmer.
  • Fotos von oben und von der Seite, auf denen Steg, Reifchen, Saitenhalter und Aufhängung gut zu erkennen sind.
  • Gewünschtes Material, Modell und eine Beschreibung des bisherigen Spielgefühls.

Spielmensur und Nachlänge bezeichnen dabei zwei unterschiedliche Saitenabschnitte: Die Spielmensur liegt zwischen Obersattel und Steg, die Nachlänge hinter dem Steg bis zum Reifchen beziehungsweise zum tatsächlichen Endpunkt der frei schwingenden Saite.

Vor der Fertigung werden die Messpunkte eindeutig abgestimmt. Ein Foto mit angelegtem Maßstab hilft, Missverständnisse durch unterschiedliche Bezugskanten zu vermeiden.

Saitenführung und Schlitzabstände berücksichtigen

Neben der Länge ist die Breite an der Saitenaufnahme wichtig. Entscheidend sind dabei besonders die Abstände der Schlitze und die Lage der einzelnen Auflagepunkte. Sie bestimmen, wie die Saiten vom Steg zum Saitenhalter verlaufen.

Ein außen breiter Saitenhalter kann eng angeordnete Saitenschlitze besitzen. Umgekehrt können unterschiedliche Konturen ähnliche Saitenabstände ermöglichen. Für die funktionale Beurteilung reicht die Außenbreite deshalb nicht aus.

Bei einer Maßanfertigung lassen sich die Saitenführung, die Kontur des Modells und die vorhandene Stegbreite gemeinsam betrachten. Die Saiten müssen sicher aufgenommen werden und dürfen an den Kontaktstellen nicht durch scharfe Kanten beansprucht werden.

Gewicht und Masseverteilung bewusst abstimmen

Das Gewicht eines Saitenhalters ist ein weiterer Bestandteil der Klangeinstellung. Ein leichteres Modell kann sich auf einem Instrument günstig auswirken, während ein anderes mit mehr Masse besser funktioniert. Eine allgemeine Regel, nach der leichter grundsätzlich besser wäre, gibt es nicht.

Neben dem Gesamtgewicht spielen die Verteilung der Masse, die Steifigkeit des Materials und die Aufhängung eine Rolle. Zusätzliche Feinstimmer verändern die fertige Einheit ebenfalls. Deshalb sollte ein Saitenhalter mit der Ausstattung beurteilt werden, mit der er später tatsächlich gespielt wird.

Bei einer Maßanfertigung lassen sich Kontur, Stärke und Unterseite gezielt ausarbeiten. Die Bereiche um Saitenaufnahme und Hängesaitenbefestigung müssen dabei dauerhaft belastbar bleiben. Klangliche Abstimmung und konstruktive Zuverlässigkeit gehören zusammen.

Material und Oberfläche passend auswählen

Bei Berdani gehören unter anderem Ebenholz, Boxwood, Dark Boxwood, englischer Buchsbaum, Berdani’s Dark Paper und Sonowood zu den verwendeten Materialien. Die Auswahl richtet sich nach der gewünschten Gestaltung und den technischen Anforderungen des jeweiligen Saitenhalters.

Boxwood und Dark Boxwood bestehen bei Berdani aus Castello-Buchsbaum. Ihre mittelbraune beziehungsweise dunkelbraune Farbe entsteht durch eine kontrollierte Wärmebehandlung im Ofen, ohne chemische Beizen. Anschließend wird das Material geölt.

Englischer Buchsbaum ist davon zu unterscheiden. Er besitzt andere Materialeigenschaften und kann je nach Ausführung naturbelassen oder traditionell gefärbt verarbeitet werden. Ebenholz bietet eine klassische schwarze Erscheinung. Berdani’s Dark Paper ist ein hochverdichtetes Papiermaterial, das als Alternative zu Ebenholz eingesetzt wird.

Die Materialbezeichnung allein erlaubt keine zuverlässige Vorhersage des späteren Klangs. Entscheidend bleibt das fertige Bauteil mit seiner konkreten Masse, Form und Aufhängung am jeweiligen Instrument.

Form und Reifchen gemeinsam entwickeln

Die Kontur eines Saitenhalters sollte zu den Proportionen des Instruments passen. Französische, englische und historische Modelle bieten unterschiedliche gestalterische Möglichkeiten. Bei einer individuellen Ausführung können außerdem besondere Linien, Einlagen oder Schnitzereien berücksichtigt werden.

Das Reifchen erfüllt dabei eine technische Aufgabe: Es definiert bei der traditionellen Saitenführung den vorderen Auflagepunkt auf dem Saitenhalter und damit das Ende der Nachlänge. Seine Position, Höhe und saubere Ausarbeitung müssen zur vorgesehenen Konstruktion passen.

Bei historischen Instrumenten werden Form und Befestigung auf das jeweilige Konzept abgestimmt. Moderne Richtwerte lassen sich nicht unverändert auf jede historische Ausstattung übertragen.

Feinstimmer von Anfang an mitplanen

Ob ein Saitenhalter ohne Feinstimmer, mit einzelnen Feinstimmern oder mit integrierter Mechanik verwendet werden soll, muss vor der Anfertigung feststehen. Diese Entscheidung beeinflusst Gewicht, Platzbedarf und Saitenbefestigung.

Bei bestimmten Feinstimmerkonstruktionen liegt der tatsächliche Endpunkt der frei schwingenden Saite am Feinstimmer. Dann ist die wirksame Nachlänge dieser Saite nicht allein durch den Abstand zwischen Steg und Reifchen beschrieben. Maßgeblich bleiben immer die tatsächlichen Auflage- beziehungsweise Befestigungspunkte, zwischen denen die Saite frei schwingen kann.

Feinstimmer müssen zur jeweiligen Saite und ihrer Endbefestigung passen. Ihre beweglichen Teile benötigen ausreichend Abstand zur Instrumentendecke. Diese Anforderungen werden bereits im Entwurf berücksichtigt.

Von der Planung zum fertigen Saitenhalter

Nach der Abstimmung von Maßen, Material und Ausstattung wird die Grundform ausgearbeitet. Anschließend folgen die genaue Kontur, die Unterseite, die Saitenaufnahme und die Befestigung der Hängesaite.

Die Position des Reifchens wird so geplant, dass sich die gewünschte schwingende Saitenlänge zwischen Reifchen und Steg bei sinnvoller Einbaulage erreichen lässt. Grundlage dafür sind die tatsächlichen Platzverhältnisse zwischen Steg und Oberkante der Decke am unteren Korpusende.

Bei der Endbearbeitung stehen saubere Übergänge, sorgfältig gerundete Kontaktstellen und eine gleichmäßige Oberfläche im Vordergrund. Auch eine geschnitzte oder aufwendig gestaltete Ausführung muss diese funktionalen Anforderungen erfüllen.

Bei Berdani verbinden wir individuelle Gestaltung mit der Erfahrung aus dem Geigenbau in Markneukirchen. Ausgangspunkt ist die Frage, welche Abmessungen und welche Ausstattung das konkrete Instrument benötigt.

Einbau und klangliche Beurteilung

Die endgültige Anpassung erfolgt am Instrument. Nach dem fachgerechten Einbau werden die Ausrichtung des Saitenhalters, der Abstand zur Decke, die Führung der Hängesaite und die frei schwingende Saitenlänge zwischen Steg und Reifchen kontrolliert. Die vorgesehenen Maße müssen unter normaler Saitenspannung stimmen.

Je nach Material kann sich eine neue Hängesaite zunächst noch setzen oder dehnen. Deshalb ist eine erneute Kontrolle nach der ersten Spielphase sinnvoll. Auch die Stegstellung wird dabei überprüft.

Für die klangliche Beurteilung helfen vergleichbare Spielbedingungen: derselbe Bogen, vertraute Passagen und möglichst derselbe Raum. Beobachtet werden Ansprache, Artikulation, Balance zwischen den Saiten und die Kontrolle bei unterschiedlichen Lautstärken. So lässt sich genauer beurteilen, ob die neue Ausstattung zur gewünschten Spielweise passt.

Einen Saitenhalter nach Maß bei Berdani anfragen

Wenn Sie einen Saitenhalter nach Maß anfertigen lassen möchten, senden Sie uns Fotos, die vorhandenen Maße und Ihre Wünsche zur Ausstattung. Besonders hilfreich sind der Abstand vom Steg zur Oberkante der Decke am unteren Korpusende sowie die aktuelle Nachlänge zwischen Steg und Reifchen. Gemeinsam klären wir, ob ein bestehendes Modell geeignet ist oder eine individuelle Ausführung sinnvoll wird.

Eine erste Orientierung bieten unsere Bestandteile für Violine, Viola und Cello. Für die konkrete Anpassung betrachten wir Saitenhalterlänge, Reifchenposition, Saitenführung und Hängesaite gemeinsam am Instrument.

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